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* ドイツ語学習会 in Nagoya
一 内容・日時
初級 3月6日(土)11時より約1.5時間
易しい読物と文法。旧東独の文化生活、Weimar(ヴァイマル)紹介など
中級 3月6日(土)12時30分より約1.5時間
シラー生誕250年記念:戯曲『ウイリアム・テル』(Wilhelm Tell)−その17− を楽しく読みます。
一 会場 名古屋市内(お問合せください)
一 講師 並木 武(元愛媛大学教授)
一 資料代 実費(500円程度、会員無料) 一般の方・初心者の方の参加歓迎
一 主催 日本・ドイツ語圏文化交流協会
一 連絡先 電話:080-4222-6670(ソフトバンク)
463-0068 名古屋市守山区瀬古2-306 公団8-604
* はじめて参加される方は電話にてお申込みください
* 中級
Da trübt kein Neid die Quelle unsers Glücks,
Und ewig hell entfliehen uns die Stunden.
- Da seh ich dich im echten Männerwert,
Den Ersten von den Freien und den Gleichen,
Mit reiner freier Huldigung verehrt,
Gross wie ein König wirkt in seinen Reichen.
Rudenz:
Da seh ich dich, die Krone aller Frauen,
In weiblich reizender Geschäftigkeit,
In meinem Haus den Himmel mir erbauen,
Und, wie der Frühling seine Blumen streut,
Mit schöner Anmut mir das Leben schmücken,
Und alles rings beleben und beglücken!
Berta:
Sieh, teurer Freund, warum ich trauerte,
Als ich dies höchste Lebensglück dich selbst
Zerstören sah - Weh mir! Wie stünd's um mich,
Wenn ich dem stolzen Ritter müsste folgen,
Dem Landbedrücker auf sein finstres Schloss!
- Hier ist kein Schloss. Mich scheiden keine Mauern
Von einem Volk, das ich beglücken kann!
Rudenz:
Doch wie mich retten - wie die Schlinge lösen,
Die ich mir töricht selbst ums Haupt gelegt?
Berta:
Zerreisse sie mit männlichem Entschluss!
Was auch draus werde - Steh zu deinem Volk,
Es ist dein angeborner Platz. (Jagdhörner in der Ferne.) Die Jagd
Kommt näher - Fort, wir müssen scheiden - Kämpfe
Fürs Vaterland, du kämpfst für deine Liebe!
Es ist ein Feind, vor dem wir alle zittern,
Und eine Freiheit macht uns alle frei!
Gehen ab
Dritte Szene
Wiese bei Altdorf. Im Vordergrund Bäume, in der Tiefe der Hut auf einer Stange. Der Prospekt wird begrenzt durch den Bannberg, über welchem ein Schneegebirg emporragt.
Friesshardt und Leuthold halten Wache.
Friesshardt:
Wir passen auf umsonst. Es will sich niemand
Heranbegeben und dem Hut sein' Reverenz
Erzeigen. 's war doch sonst wie Jahrmarkt hier,
Jetzt ist der ganze Anger wie verödet,
Seitdem der Popanz auf der Stange hängt.
Leuthold:
Nur schlecht Gesindel lässt sich sehn und schwingt
Uns zum Verdriesse die zerlumpten Mützen.
Was rechte Leute sind, die machen lieber
Den langen Umweg um den halben Flecken,
Eh sie den Rücken beugten vor dem Hut.
Friesshardt:
Sie müssen über diesen Platz, wenn sie
Vom Rathaus kommen um die Mittagstunde.
Da meint' ich schon, 'nen guten Fang zu tun,
Denn keiner dachte dran, den Hut zu grüssen.
Da sieht's der Pfaff, der Rösselman - kam just
Von einem Kranken her - und stellt sich hin
Mit dem Hochwürdigen, grad vor die Stange -
Der Sigrist musste mit dem Glöcklein schellen,
Da fielen all aufs Knie, ich selber mit,
Und grüssten die Monstranz, doch nicht den Hut. -
Leuthold:
Höre Gesell, es fängt mir an zu deuchten,
Wir stehen hier am Pranger vor dem Hut,
's ist doch ein Schimpf für einen Reitersmann,
Schildwach zu stehn vor einem leeren Hut -
Und jeder rechte Kerl muss uns verachten.
- Die Reverenz zu machen einem Hut,
Es ist doch traun! Ein närrischer Befehl!
Friesshardt:
Warum nicht einem leeren hohlen Hut?
Bückst du dich doch vor manchem hohlen Schädel.
Hildegard, Mechthild und Elsbeth treten auf mit Kindern und stellen sich um die Stange.
Leuthold:
Und du bist auch so ein dienstfert'ger Schurke,
Und brächtest wackre Leute gern ins Unglück.
Mag, wer da will, am Hut vorübergehn,
Ich drück die Augen zu und seh nicht hin.
Mechthild:
Da hängt der Landvogt - Habt Respekt, ihr Buben.
Elsbeth:
Wollt's Gott, er ging und liess uns seinen Hut,
Es sollte drum nicht schlechter stehn ums Land!
Friesshardt verscheucht sie:
Wollt ihr vom Platz? Verwünschtes Volk der Weiber!
Wer fragt nach euch? Schickt eure Männer her,
Wenn sie der Mut sticht, dem Befehl zu trotzen.
Weiber gehen.
Tell mit der Armbrust tritt auf, den Knaben an der Hand führend. Sie gehen an dem Hut vorbei gegen die vordere Szene, ohne darauf zu achten.
Waltherzeigt nach dem Bannberg:
Vater ist's wahr, dass auf dem Berge dort
Die Bäume bluten, wenn man einen Streich
Drauf führte mit der Axt?
Tell:
Wer sagt das Knabe?
Walther:
Der Meister Hirt erzählt's - Die Bäume seien
Gebannt, sagt er, und wer sie schädige,
Dem wachse seine Hand heraus zum Grabe.
Tell:
Die Bäume sind gebannt, das ist die Wahrheit.
- Siehst du die Firnen dort, die weissen Hörner,
Die hoch bis in den Himmel sich verlieren?
Walther:
Das sind die Gletscher, die des Nachts so donnern,
Und uns die Schlaglawinen niedersenden.
Tell:
So ist's, und die Lawinen hätten längst
Den Flecken Altdorf unter ihrer Last
Verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht
Als eine Landwehr sich dagegenstellte.
Walther nach einigem Besinnen:
Gibt's Länder, Vater, wo nicht Berge sind?
Tell:
Wenn man hinuntersteigt von unsern Höhen,
Und immer tiefer steigt, den Strömen nach,
Gelangt man in ein grosses ebnes Land,
Wo die Waldwasser nicht mehr brausend schäumen,
Die Flüsse ruhig und gemächlich ziehn,
Da sieht man frei nach allen Himmelsräumen,
Das Korn wächst dort in langen schönen Auen,
Und wie ein Garten ist das Land zu schauen.
Walther:
Ei Vater, warum steigen wir denn nicht
Geschwind hinab in dieses schöne Land,
Statt dass wir uns hier ängstigen und plagen?
Tell:
Das Land ist schön und gütig wie der Himmel,
Doch die's bebauen, sie geniessen nicht
Den Segen, den sie pflanzen.
Walther:
Wohnen sie
Nicht frei wie du auf ihrem eignen Erbe?
Tell:
Das Feld gehört dem Bischof und dem König.
Walther:
So dürfen sie doch frei in Wäldern jagen?
Tell:
Dem Herrn gehört das Wild und das Gefieder.
Walther:
Sie dürfen doch frei fischen in dem Strom?
Tell:
Der Strom, das Meer, das Salz gehört dem König.
Walther:
Wer ist der König denn, den alle fürchten?
Tell:
Es ist der eine, der sie schützt und nährt.
Walther:
Sie können sich nicht mutig selbst beschützen?
Tell:
Dort darf der Nachbar nicht dem Nachbar trauen.
Walther:
Vater, es wird mir eng im weiten Land,
Da wohn ich lieber unter den Lawinen.
Tell:
Ja wohl ist's besser, Kind, die Gletscherberge
Im Rücken zu haben, als die bösen Menschen.
Sie wollen vorübergehen.
Walther:
Ei Vater, sieh den Hut dort auf der Stange.
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